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Fachtagung Wasser 2019

Foto: Die Organisatorin mit den Referenten der Wasserfachtagung: Daniela Guardia-Lippuner (Organisation), Heinrich Denoth, Daniela Fuchs-Hanusch, Max Maurer, Ueli Thöny, Matthias Jacober, Roberta Pianta (Schlussdiskussion) (Foto Markus Roth)

Am Donnerstag, 21.11.2019, wurde das 22. Lippuner-Seminar Wasser in Vaduz durchgeführt. An der eintägigen Fachtagung Wasser haben über 350 Besucher und rund 70 Aussteller aus dem In- und Ausland teilgenommen.

Infrastruktur des Leitungsnetzes pflegen

Trinkwasserversorgungsnetze sind komplexe Gebilde. Sämtliche Bestandteile, zu denen nebst Leitungen auch Pumpwerke, Aufbereitungsanlagen und Reservoire gehören, stehen in starker wechselseitiger Abhängigkeit. Wird ein Element baulich verändert, hat dies Auswirkungen auf andere Elemente oder ein ganzes Versorgungsgebiet.

Weiterentwicklung von Trinkwassernetzen
Betreibern von Versorgungen, politischen Entscheidungsträgern und Aufsichtsbehörden wie auch Planern, Ingenieuren, Bauleitern und Industrievertretern wurde am Donnerstag im Vaduzer Saal aufgezeigt, mit welchen Herausforderungen die Erhaltung und die Weiterentwicklung von Trinkwassernetzen verbunden sind.

Im ersten Themenblock widmete sich Max Maurer von der Eawag in Dübendorf/ETH Zürich den grundsätzlichen Schwierigkeiten, welche einer wünschenswerten Weiterentwicklung von Trinkwassernetzen entgegenstehen. Werden bestehende Leitungen und Anlagen an Ort und Stelle einfach nur erneuert, kann dies eine schrittweise Verbesserung einer gegebenen Versorgungsstruktur blockieren, wenn der Werterhalt lediglich auf die Bedürfnisse der Vergangenheit ausgerichtet wird. Er beleuchtete die nationale Sicht. Für ihn geht es nicht nur um Werterhaltung, es müsse für die Zukunft geplant werden.

Übergeordnete Strukturfragen stellen sich auch in kleineren Gemeinden, wo Pumpwerke, Reservoire und Trinkwasserleitungen in die Jahre gekommen sind oder neue Verbundlösungen zur Diskussion stehen. Ueli Thöny, Gemeindepräsident von Schiers GR, beleuchtete den Handlungsspielraum für die Anlagenerneuerung im ländlichen Raum, wenn damit wichtige Weichenstellungen für die Zukunft verbunden sind. Am Beispiel der Gemeinde Schiers mit 2700 Einwohnern wurde aufgezeigt, wie sich die Lösungssuche präsentieren kann, wenn neben technischen Aspekten auch betriebliche Verflechtungen mit Nachbargemeinden beachtet werden müssen.

Für Ueli Thöny gilt es, im Zusammenhang mit der Wasserversorgung weitsichtig zu denken. Für die nächsten zehn bis 30 Jahre wird mit Prognosen gearbeitet.

Erfahrungen eins Bauherrn
Unsere heutigen Trinkwasserleitungsnetze sind im Laufe vieler Jahrzehnte entstanden. Die Technik des Leitungsbaus hat sich in dieser Zeit allerdings stark gewandelt und sieht sich heute mit anderen Herausforderungen konfrontiert als früher. Heinrich Denoth, Leiter der Wasserversorgung St. Moritz, gab aus Sicht des Praktikers Einblick in die Erfahrungen eines erfahrenen Bauherrn. Nicht immer sind es rein technische Aspekte wie Materialwahl und Dimensionierung, die für die Bauqualität im Sinne einer langen Lebensdauer ausschlaggebend sind. Eine gute Information erspare Ärger und vermittle Verständnis, so Heinrich Denoth. Neue Verfahren müssten am richtigen Ort eingesetzt werden, dies sei qualitativ hochstehend, ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich interessant.

Planungsinstrumente für die Werterhaltung
Im zweiten Themenblock ging Daniela Fuchs-Hanusch von der Technischen Universität Graz der Frage nach, was EDV-basierte Planungsinstrumente für die Werterhaltung im Trinkwasserbereich heute leisten können und wie sie sich in der Praxis bewährt haben. Hierzu werden effektiv eingetretene Zustandsentwicklungen der letzten Jahrzehnte als Vergleichsmassstab herangezogen. Die Zuverlässigkeit von Zustandsprognosen ist in doppelter Hinsicht wichtig. Einerseits soll der Zeitpunkt, wo bei einem einzelnen Leitungsabschnitt Massnahmen nötig werden, realitätsnah vorausgesagt werden können. Anderseits dienen solche Instrumente zur Abschätzung des jährlichen Finanzbedarfs für die netzweite Werterhaltung.

Beim Leitungsbau stellt sich die Materialfrage immer wieder neu. Matthias Jacober, Leiter der Fachstelle Wasser/Abwasser/Gewässer Glarus Nord, untersucht die Kriterien, welche bei unterschiedlichen Anwendungen und örtlichen Gegebenheiten die Materialwahl beeinflussen können. In seinem Referate erklärte er, dass es dabei nicht nur um die vermeintlichen Vorzüge von Guss, Kunststoff oder Stahl, sondern auch um die richtige Prioritätensetzung bei der Argumentation gehe. Das richtige Material müsse am richtigen Ort eingebaut werden.

Die Tagesmoderation wurde von Daniela Guardia-Lippuner, Betriebsökonomin FH, übernommen.

Die Schlussdiskussion führte Roberto Pianta, dipl. Ing. ETH.

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